Dienstag, 6. Juni 2017

Hamburgteile 95A




Am heutigen 31. Mai vor 114 Jahren um 16 Uhr 45 fand mit einem Ball aus dem Vereinsheim des Altonaer FC auf der Exerzierweide zu Altona das erste Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft zwischen dem VFB Leipzig und dem DHC Prag statt. Heute gehört dieses Stück Land zu Bahrenfeld - Bezirk Altona. Der Platz existiert nicht mehr, heute ist dort ein großes Gewerbegebiet und dort wo einst ein Fußballtor stand (das Spiel endete damals mit 7:2 für Leipzig) ist das Grundstück der Firma Mediadruckwerk GmbH. Ein Gedenkstein von Fußballfans mit Hilfe der Firma vor ein paar Jahren errichtet, erinnert nun an dieses historische Sportereignis, dem damals 750 – 2000 Zuschauer beiwohnten, die jeweils eine Mark Unkostenbeitrag daließen.

Bahrenfeld hat etwa 31.000 Einwohner auf elf Quadratkilometer Fläche. Es ist wunderschön mit seinem Volkspark, dem Dahliengarten, dem Stadion im Volkspark des HSV und den anderen namenswechselnden Arenen. Auch trifft man hier die Trabrennbahn an, die auch Ort war für immer wieder Open Air Musikereignisse und nicht nur für Pferdesport. Das deutsche Elektronen Synchroton findet man hier, kurz Desy, ein berühmter Platz für Freunde der Teilchenbeschleinigenden Physik.

Jahrelang habe ich in der traumhaft schönen Steenkampsiedlung gearbeitet, eine Gartenstadt nach Gustav Oelsner, die vor etwa einhundert Jahren in drei Bauabschnitten zwischen 1914 bis 1926 entstand. Die 670 Einzelhäuser, meist in herrlichem gelb und 92 Mehrfamilienhäuser entstanden auf einer Fläche von 22 Hektar Größe und waren die ersten Objekte der Wohnungsbaugesellschaft SAGA. Anfang dieses Jahrhunderts verkaufte die SAGA viele der Häuser an die Mieter, sodass heute deutlich über 60 Prozent der Häuser verkauft sind. So gibt es hier auch heute noch in dieser wundervollen Siedlung schöne Geschichten, die besagen, dass die Ursprungstönung der Häuser ocker, olivgrün, rotbraun oder erdbeerrot war. Bahrenfeld selbst ist an das S-Bahn Netz der Stadt gut angebunden. S1 und S11 hält an der Station Bahrenfeld im Süden und S21 und S31, bzw. S3 etc. an Diebsteich im Osten. Hier soll ein gewaltiger Fernbahnhof entstehen, der dann den Sackbahnhof Altona südlich davon ablösen soll für die Fernzüge, aber dann wohl den Namen Altona tragen wird oder so.





31. Mai 2017

Dienstag, 30. Mai 2017

Hamburgteile 28D




Da das Portrait von Evelyn in Barmbek-Süd im März 2014 als Hamburgteil 28 von mir gelistet wurde – ist jetzt der Stadtteil Barmbek-Süd Teil Nummero 28B. Beim nächsten Mal geht es dann weiter mit Teil 95 (ohne der Stadtteilziehung vorweg zu greifen).

Barmbek-Süd ist der südliche Teil von Barmbek logischer Weise, welcher im Bezirk Nord liegt. Bis 1951 bildeten die Stadteile Barmbek-Süd, Barmbek-Nord und Dulsberg den Stadtteil Barmbeck mit CK. 35.000 Menschen wohnen auf 3,1 Qudratkilometern in Barmbek-Süd, welches nun besonders im Wonnemai sehr grün ist. Wunderschön ist es am Eilbekkanal im Süden nah dem Komponistenviertel und am Osterbekkanal im Norden.

Rein verkehrstechnisch sind auf dem Boden von Barmbek Süd tatsächlich nur zwei Stationen der Linie U3 zu finden. Nämlich Dehnhaide  und Hamburger Straße. Unfassbar oder? Denn man muss sagen, dass wie teilweise fälschlich angegeben Mundsburg eher Uhlenhorster Grund zuzusprechen ist und die S-Bahn Station Friedrichsberg ist nun schon so überhaupt nicht Barmbek-Süd, und Barmbek den ganzen Tach nicht.

Imposant ist die klotzige Bugenhagenkirche, die 2004 geschlossen wurde und heute von Bulgarischen Orthodoxen genutzt wird. Jedenfalls war Johannes Bugenhagen als Reformator des Nordens durchaus bekannt und ein ziemlicher Weggefährte Luthers.

Eine andere geschichtliche Figur die im Bezug zu Barmbek-Süd zu erwähnen sei - ist der sog. „Lord von Barmbeck“. Julius Adolf Petersen war Barmbecks Ganove vom feinsten. 1904 eröffnete er Ecke Alter Schützenhof und Bartholomäusstraße eine Kneipe, die er „Kaschemme“ nannte. Dort war er mit „Lockenfietsche“, „Rabenmax“ und „Schlachterkarl“ ein gern gesehener Ganove, der eine Bande von 200 Kriminellen anführte. 1920 überfiel er das Postamt in der Susannenstraße in der Schanze und erbeutete über 200.000 Mark. Der Gentlemangangster „Lord von Barmbeck“ wurde verfilmt und 1973 von Martin Lüttge gespielt. Der echte Lord ließ sich nach schlechter Perspektive in U-Haft im Jahre 1933 ziemlich hängen. Das Haus in dem Petersen seine Kneipe hatte, wurde 2013 renoviert. Unter dem Label „Der Lord von Barmbeck“ wurden 25 Wohnungen hochpreisig feil geboten.

Der NDR hat die Geschichte des „Lords“ aufwendig verfolgt und aufbereitet. Dort wird er quasi u.a. als hanseatischer Robin Hood erwähnt. Erstaunlich.
Der Link ist unten anzuklicken.









18. Mai 2017

Montag, 15. Mai 2017

Hamburgteile 94A




Man weiß halt nicht wie man sich fühlen soll, an einem Ort, an dem alles neu ist. Ein Ort dem die Patina fehlt und der trotzdem doch Gebrauchsspuren aufweist. Irgendwie suche ich nach etwas mit Geschichte auch in Neuallermöhe. Als Stadtteil gibt es dieses Viertel erst seit dem 1.1.2011. Zuvor gehörten die Ortsteile Neuallermöhe Ost und Neuallermöhe West vor allen Dingen zu Allermöhe und ein bissl Bergedorf. Man erreicht Neuallermöhe im wesentlichen mit der S21 oder S2, muss dann Allermöhe oder Nettelnburg aussteigen. Die Metrobuslinie 12 verkehrt hier ebenfalls oft.

Neuallermöhe Ost wurde zwischen 1982 – 1994 errichtet. Neuallermöhe West quasi im Anschluß in den 1990er Jahren. Die Gedankenquelle für eine große Siedlung dieser Art liegt in den 1920er Jahren bei dem Architekten Fritze Schumacher. In den 1970er Jahren, etwa fünfzig Jahre nach Schumacher konkretisierte man den lustigen Plan in die Vier und Marschlande ein Bauvorhaben Billwerder-Allermöhe für 70 000 Siedler, Einwohner, Gesellen, Arbeiter und Meister zu schaffen, sowie für Lehrer, Kinder und Pastoren und deren Töchter.

„Wohnen am Wasser“ war das Stichwort - als man damals damit warb hier hinzuziehen in recht günstig erworbenes Land. Das Rechteck Neuallermöhe hat heute 4,2 Quadratkilometer und ca. 24.000 Einwohner. Es ist architektonisch gelungen ein Siedlungsgebiet zu schaffen, welches großzügig wirkt und mit seinen Fleeten und Inseln ein moderner Nachbau von Hamburg-Altstadt sein könnte. Natürlich fehlt ihm noch der Charme des Angefassten. Am einst fast größten Bauvorhaben dieser Republik liegt der Allermöher See, der leider durch ein paar tragische Badeunfälle zweifelhafte Berühmtheit erlangte. 2010, 2012 und 2016 ertranken hier junge Menschen. Die mittlerweile zuständige Wasseraufsicht, konnte die letzen Unglücke leider nicht verhindern.

Schön ins Stadtbild integriert wurde die 1993 fertiggestellte Franz von Assisi Kirche. Ich denke, es wird noch eine Zeit dauern, bis Neuallermöhe als eigener Ort mit Geschichte und Patina wirkt. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit, als die Bahn von Nettelnburg bis zum Mittleren Landweg fuhr und es gab weit und breit nur Landschaft zu sehen. Denn die S-Bahnstation Allermöhe wurde erst am 30.5.1999 frei gegeben.




18. April 2017


Hamburgteile 93A



Harburg war mal eine Stadt südlich der Elbe mit einem eigenen, wunderbaren Hafen. Harburg – Wilhelmsburg war sogar kurze Zeit eine Großstadt und herrlicher Verwaltungssitz des ehemaligen Landkreises Harburg. Das war 1927 – 1938! Dann war alles vorbei. Auch Harburg gehörte ab sofort zu Hamburg. Dass Harburg immer schon sehr eigen war, merkt man beim überqueren der Elbe, quasi mit der S31 oder S3 aus Wilhelmsburg. Hier macht die städtische Fieberkurve ein innerliches S vom feinsten. Hier ist man weg von der Stadt, hier fährt man ein in den südlichen Fernbahnhof des Bundeslandes Hamburg.

Die Quartiere Phoenixviertel und Binnenhafen machen den Stadtteil Harburg im Bezirk Harburg aus. Knapp 4 Quadratkilometer. Knapp 25 000 Einwohner.

Im zweiten Weltkrieg blieb Harburg in der Innenstadt weitestgehend von Luftangriffen verschont, allerdings der Binnen und Industriehafen wurde schwer zerstört. Nach dem Krieg veränderte sich das Bild der alten Stadt Harburg nach und nach. 1978 wurde hier die Technische Universität gegründet. 1983 fuhr endlich auch die S-Bahn nach Harburg. Ganze Straßen wurden neu geschaffen. Seit dem letzten Jahr gehört die Innenstadt Harburgs zu einem sog. Fördergebiet zur sozialen Stadtteilentwicklung. Was mit durchaus mit „Ei der Daus“ kommentieren kann, wenn man denn mag. Der leckere und durchaus würzig riechende Hafen wurde immer mehr zum Standort von Firmen, die sich gewerblich hier niederließen.

So hat Harburg eben doch noch das Flair alter Bebauung, zumindest zum Teil. Auch wenn der Charme der Fußgängerzone durchaus ein anderer sein könnte. Im Kulturkiosk in der Blohmstraße wurde 2015 leider die letzte Pferdewurst verkauft. Dieser Kiosk, der zudem die älteste Trinkhalle Hamburgs ist, hat sehr viel beigetragen zum Flair dieses Harburger Hafens. Man rettete ihn quasi als stehendes Mahnmal und als Attraktion für Kulturbeflissene und lässt Lesungen und andere Veranstaltungen vor ihm stattfinden. Das ist ein Versuch ein Stück Vergangenheit zu retten.

Die Geschichte begann übrigens wohl ca. 800  Chr. als die sog. Horeburg (Sumpfburg) errichtet wurde. Heute ist da die sog. Schlossinsel im Binnenhafen.




13. April 2017


Hamburgteile 92A



Allermöhe, ein ausgedehnter, etwas zerfranster Strich in den Marschlanden. Schwemmland Allermöhe im Stromgebiet der Elbe. Die Doveelbe begrenzt Allermöhe schwer idyllisch im Süden. Nebst einem stattlichen Gewerbegebiet und dem sehr angenehmen Wohnstrich „Mittlerer Landweg“ von Osten aus Billwerder und Moorfleet kommend, liegt der Eichbaumsee. Ein 24 Hektar großer See der 1972 beim Sandabbau für die A 25 entstand. Seit 1977 ist da neben in der Doveelbe eine Regattastrecke für Wassersportler hinzugefügt. Leider ist die Wasserqualität des ehemals beliebten Badesees durchaus so, dass seit 2007 blaualgisch und so baden nicht gestattet ist und zwar generell.

Auf den Östlichen Wiesen des Sees findet alljährlich das „Wutzrockfestival“ statt. Es wurde 1979 in Bergedorf begründet und seit Ende der achtziger Jahre gibt es dieses alternative und beliebte Umsonstfestival nun hier, mit täglich 5000 Besuchern. Das Festival dauert drei Tage. 2017 z.B. wieder vom 14. – 16. Juli. Unbedingt eine Bereicherung für Allermöhe, welches übrigens sich 2010, als Neu-Allermöhe hinzugefügt wurde (welches noch folgt) in drei Teile gegliedert werden muss. Das Straßendorf mit bäuerlichem Charakter und der  Dreieinigkeitskirche von 1614. Im Norden entstand seit den 1990 er Jahren Allermöhe West. Und Allermöhe Ost wurde quasi ein wenig dem Bergedorf abgezwackt. Insgesamt aber ist Allermöhe dünn besiedelt. Keine 1.400 Einwohner auf 8,7 Quadratkilometern sind zu zählen.

Allermöhe wurde 1162 als „Anremutha“ erwähnt, was so viel wie „An der Mündung“ bedeutet. Seit 1395 gehört Allermöhe zur Hansestadt, weil es gemeinsam mit Billwerder, Ochsenwerder und Moorwerder (Teil von Wilhelmsburg) von Holstein-Rendsburg an Hamburg verkauft wurde. Seit der Umverteilung der Stadtteile und der Gründung von Neuallermöhe sind die stark besiedelten Teile außen vor. Durch das Stadtteil führt die Marschenautobahn, die A25. Seit 1842 liegt Allermöhe an der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn, die heute von der Hamburger S-Bahn genutzt wird. Seit 1999 gibt es die Haltestelle Allermöhe, welche S2 und S21 in Richtung Bergedorf und in die Innenstadt nutzen. Um aber nach Allermöhe zu kommen, zum Eichbaumsee, zum Olympiastützpunkt der Wassersportler und zum alten Dorf mit Kirche, ist die Station „Mittlerer Landweg“ zu nehmen. Sonst landet man im neuen Neuallermöhe.



8. April 2017